Freitag, 31. Dezember 2010

11 gute Vorsätze für '11

1. Einen Dokumentarfilm drehen
2. Ein sozialkritisches Festival-kompatibles Drehbuch schreiben
3. Beim Praktikum nicht so schüchtern sein
4. Und bei der Arbeit nicht mehr unterbuttern lassen
5. On-and-Off-Beziehungen verboten!
6. Heimatgefühle für Berlin entwickeln
7. Tauchen lernen
8. Anni in Kuba besuchen
9. Stimmtraining und dann immer mit tiefer Stimme sprechen
10. Vegetarierin werden
11. Sex, Drugs and Rock 'n Roll!! Yeah!!! Bevor der Ernst des Lebens beginnt... (Aber bitte keine Drogen)

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Club Mate Wodka

Mit Schrecken musste ich, die seit der Umzug nach Berlin feststand, die eine Hälfte der Zeit damit verbrachte, Köln nachzuheulen und die andere Hälfte der Zeit gegenüber ihren Freunden beteuerte, niemals nie ein Berliner Hipster zu werden, diese Typologie lesen:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/516559/Diese-Typen-triffst-du-wieder
Denn: Es ist mir passiert. Ich hab bei meinen alten Schulfreunden in Geislingen an der Steige von Club Mate Wodka geschwärmt, ich gebs zu.

Was ich zu meiner Verteidigung zu sagen habe:
1. Ich habe nie gesagt: "In Berlin geht man nicht vor 2 Uhr weg", "Du studierst jetzt in Würzburg? Echt? Da könnte ich ja nicht leben." (Für Würzburg darf man übrigens jede weitere deutsche Stadt außer München einsetzen), "In Berlin hält sich niemand ans Rauchverbot" und auch nicht: "In Berlin... jetzt habe ich vergessen, was ich sagen wollte." (Auch wenn ich das ziemlich lustig finden würde.)
2. Ich war nicht allein! Geli war auch dabei und die hat sogar "Mate Wodka" gesagt, nicht "Club Mate Wodka".
3. Club Mate Wodka ist wirklich geil!
Mit Club Mate Wodka kann man problemlos bis zum nächsten Tag feiern, tanzen, quatschen, knutschen, Diverses ohne müde zu werden und - das ist eine Neuheit in Berlin - ohne Drogen zu nehmen! Der Preis ist wirklich sehr angemessen, der Geschmack löblich, der Kater erträglich, die Alkoholmenge kann man durch Abtrinken vor dem Nachschenken selbst variieren (ich empfehle natürlich immer wieder gerne die Nadine-Mischung). Mit Club Mate Wodka heißt es auch noch um 9 Uhr morgens: "Sollen wir vielleicht mal nach Hause gehen langsam?" "PAAAAAAAARTY!"
Deshalb:
IHR MÜSST UNBEDINGT CLUB MATE WODKA IMPORTIEREN!!!

So, nachdem ich das losgeworden bin, schalte ich den Berliner Hipster-Modus wieder aus und finde weiterhin, dass man in der Stadt von Sido, den Atzen und Cindy aus Marzahn, wie Adrian Berlin gern umschrieben hat, auch ganz normal bleiben kann.










Prickelnd, zischend, erotisch: Einfach Club Mate

Freitag, 17. Dezember 2010

Filmjahr 2010


Ich finde, das Filmjahr 2010 war eine große Enttäuschung. Ich erwarte ja gar kein Kinojahr à la 1999, das ich immer wieder gerne erwähne:
Magnolia, Matrix, The Sixth Sense, American Beauty, Being John Malkovich, ... (Und keinen einzigen davon hab ich damals im Kino gesehen, tssss)
Aber sogar gegen letztes Jahr, das mit Inglourious Basterds, Antichrist, Das weisse Band und meinem Favoriten The Wrestler immerhin noch ein paar Höhepunkte hatte, fällt 2010 ins Bodenlose.
Ich hab letztens durch so einen bescheuerten Jahresrückblick gezappt, in dem soweit ich mich erinnere Johannes B. Kerner und Veronica Ferres die Filme des Jahres gekürt haben. Unter den Top 5: Eclipse, Harry Potter 7, Zweiohrküken, Sex and the City 2 und Avatar. (War Avatar nicht letztes Jahr schon Film des Jahres? Naja, egal.) Viel schlimmer als diese angeblichen Top 5 ist für mich, dass auch meine persönlichen Top 5 mich nicht gerade vom Hocker reißen...

Platz 1: Moon - tolle Idee, tolle Umsetzung und independent genug, dass man ihn als Favoriten nehmen kann. Ich will auch so einen Film drehen!(9/10)

Platz 2: Inception - auch wenn mich jetzt viele blöd finden werden, hat mich beim ersten Gucken visuell umgehauen und Nolan kann man ruhig mal so viel Geld in die Hand drücken. Zu viele James Bond Szenen, aber wie Mal aus diesem Fenster springt...(8/10)
Platz 3: Renn wenn du kannst - meine deutsche Überraschung des Jahres und auch mit ein Grund, warum ich jetzt an der HFF studiere (8/10)
Platz 4: Somewhere - leider nicht Lost in Translation, auch wenn er als LoT 2 daherkommt, aber schön (7/10)
Platz 5: Social Network - überraschend unterhaltsam, hängt einem aber auch nicht mehr nach, was wohl am Thema liegt (6/10)

Der Ghostwriter (6/10) und A serious Man (6/10) haben mir auch noch ganz gut gefallen. Was mich überrascht hat, war der neue Harry Potter. Auch wenn alle immer über den 3. Teil jubeln - was ja vor allem daran liegt, dass man zeigen will, man fände den Regisseur am besten, was wohl logisch ist, für mich hat er aber den besten Moment des Buches nicht umgesetzt - muss ich sagen, ich glaube, ich finde den 7. Teil am besten (5/10). Der hat zwar auch einige ziemliche Schwächen, aber hat es wirklich geschafft, eine ganz andere Stimmung als in den anderen Teilen aufzubauen und die gefällt mir persönlich besser. Alle anderen Filme sind nicht weiter erwähnenswert. Ich hab allerdings auf DokLeipzig einige Dokumentarfilme gesehen, die ich eigentlich in die Top 5 einfügen müsste, aber ich trenne das jetzt lieber mal in fiktional und doku.

Naja, noch kurz ein paar Worte zum Schlusslicht Buried - Lebendig begraben (2/10) - bekommt einen Punkt für die Idee, einen Film komplett in einem Sarg spielen zu lassen und einen Punkt dafür, dass ich nicht eingeschlafen bin. Alles andere war unter aller Kanone und ich weiß nicht, warum der so gehypt wurde. Fand ihn unrealistisch, auf eine langweilige Art und Weise dramatisiert und politisch ärgerlich. Dabei hätte man viel daraus machen können...
2010 - buh! muss ich sagen, wobei mir auch auffällt, dass ich dieses Jahr gar nicht so oft im Kino war wie letztes Jahr. Aber dass es nicht so viele Filme gab, die ich überhaupt sehen wollte, sagt ja auch schon einiges... Das muss besser werden! Ich freu mich jetzt erstmal auf "Black Swan" im Januar.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Nadine und der Grinch

Ich kenne den Grinch nicht, ich guck keine Filme über Leute, die Weihnachten scheiße finden. Aber soweit ich mich auf mein dramaturgisches Verständnis verlassen kann, findet der Grinch Weihnachten bestimmt erst scheiße, um dann im Verlauf seiner Heldenreise zu erfahren, dass Weihnachten in Wirklichkeit wunderschön ist. Sag ich doch.
Deshalb hab ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine weihnachtsmufflige WG mal auf Vordermann zu bringen. Adventskranz, Adventskalender für alle WG-Bewohner, Weihnachtsstollen und Weihnachtsschmuck. Natürlich mampft Sergio Weihnachtsmuffel den Stollen genüsslich, aber warum das jetzt ausgerechnet Weihnachten zu verdanken sein soll, erschließt sich ihm nicht. Wie kann man nur so ignorant sein? Wäre Maria damals nicht auf wundersame Weise schwanger geworden, wären die Hirten nicht dem Stern gefolgt und hätten in dem Stall nicht eine Kuh und ein Esel gestanden, könnte Sergio doch jetzt auch keinen Stollen futtern.
Niemand außer mir hat bisher den Adventskranz angezündet! Okay, der ist auch gemeingefährlich, weil aus Kostengründen nur ein paar kipplige Teelichter auf dem trockenen Geäst stehen.
Am 30. November abends fragt mich Sergio dann treuherzig, ob er heute schon seinen Adventskalender öffnen darf. Nein natürlich nicht!! Adventskalender ist für den Dezember und natürlich öffnet man ihn morgens, nicht abends!
Aber jetzt kommt die Höhe! Als ich Sergio frage, ob er Maribelle (seiner Freundin) einen Adventskalender gebastelt hat, flüstert er mir zu, ich dürfe ihr ja nicht sagen, dass Adventskalender auch für Große wären, Maribelle würde nämlich denken, die wären nur für Kinder. Ich wohne echt mit einem richtigen Grinch zusammen!

















Der Grinch. Aber immerhin ist er für nächtliche Schneespaziergänge zu haben!

Dienstag, 23. November 2010

P.S.: Es geht mir gut

Man malt sich sein neues Leben natürlich aus, bevor man in eine neue Stadt zieht, aber so richtig vorstellen kann man es sich noch nicht, wie es sein wird, wenn man nicht mehr mit seinem Freund rumhängen und dabei seine Filmideen besprechen und den Pitch üben kann und vor allem die Angst vor dem Pitchen nicht mehr zu erklären braucht, weil er sie schon kennt. Oder wie es sein wird, wenn man morgens nicht mehr von den eiligen Schritten der Mitbewohnerin erwacht, die sich mal wieder viel zu früh auf den Weg in die Bib macht und man selbst noch ein bisschen wartet, bis einer von den anderen aufsteht, damit man in der Küche quatschen kann. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das sein wird ohne die KVB, ohne Borsalino, ohne Ehrenfeld, ohne Thefife.
Früher dachte ich immer, wenn Dinge anstanden, die ich mir absolut nicht vorstellen konnte - mein erster Flug, der Tanzkurs und wer wird mein Tanzpartner sein, alleine wohnen - dass ich bestimmt davor sterben würde, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie ich tatsächlich in diesem Flugzeug sitze. Aber wie immer bin ich auch diesmal nicht gestorben und das neue Leben begann und war natürlich noch viel neuer als ich es mir hatte vorstellen können.
Und ich muss sagen, wow, ich hätte nicht gedacht, dass sowas so einfach geht. Ich hab mir mal im zweiten Semester in Köln überlegt, in eine neue Stadt zu gehen, weil es mit einem Typen so scheiße lief. Haha! Eine bescheuerte Idee, aber ich hab es damals vor allem deshalb nicht gemacht, weil ich dachte, sowas geht doch sowieso nicht. In eine andere Stadt zu gehen, das bringt doch immer nur den Leuten in Filmen was. In der Realität ist in der anderen Stadt wieder alles dasselbe.
Aber nein, ist es nicht! Okay, schon wieder hab ich die Chance verpasst, mich als totale Draufgängerin und Partyqueen zu etablieren - das wird in diesem Leben wohl nichts mehr - aber es gibt Veränderungen. Es bringt was, in eine neue Stadt zu ziehen! Man hat tatsächlich die Freiheit oder vielleicht eher einen Anstoß, endlich mal wieder neue Sachen auszuprobieren. Ich schreibe jetzt in meinem neuen Stammcafé mit dem besten Kaffee von Moabit, ich hab mich zu lustigen Kursen für Stimmtraining und gutes Auftreten angemeldet, im Fitni gehe ich jetzt auch in die Sauna, ich treffe mich mit coolen Leuten, die ich auf Partys kennen gelernt habe und gehe zu allen Veranstaltungen, die die vorschlagen, mit, auch wenn ich selbst nie auf die Idee gekommen wäre, ich mache bei Drehbuchwettbewerben mit, zu Weihnachten wünsche ich mir einen Tauchkurs.
Es ist schön, die neuen Gedanken von neuen Leuten zu hören, es ist auch schön, mit anderen, die einen gut verstehen können, in einer Klasse zu sein, um Rat gefragt zu werden und selbst welchen zu bekommen. Es ist gut, endlich in der Sache herausgefordert zu werden, in der man sich immer Herausforderungen gewünscht hat. Und auch wenn man gesagt bekommt: "Die Geschichte stimmt hinten und vorne nicht", ist das irgendwie gut. Neu, aber gut.
In zwei Tagen ist unser erster Pitch und ich, "die schlechteste Pitcherin, die es jemals an eine Filmhochschule geschafft hat", pitche "Die Hungernden" und "Kalter Winter". Ich gehe hin, ich melde mich nicht krank. Die neue Stadt bietet neue Chancen und Möglichkeiten, und auch wenn meine Sätze noch ganz oft mit "In Köln ist das aber..." anfangen, hat mir Berlin jetzt schon so viel gebracht! Weil ich mich seit vier Jahren zum ersten Mal auf mich selbst verlassen muss und es irgendwie klappt.

Sonntag, 21. November 2010

Olaf

Olaf ist toll. Er sieht gut aus, bildet sich aber nichts darauf ein. Er hat Humor, man kann mit ihm aber auch hervorragend ernste Gespräche führen. Olaf ist Nichtraucher, hat aber für die Raucher immer ein Feuerzeug parat. Natürlich werden Olaf viele Avancen gemacht, aber er geht nur auf die ein, unter denen er sich etwas Ernsteres vorstellen kann. Er lernt die Frauen erst kennen, damit er nicht versehentlich in Geschichten hineingerät, die sie verletzen könnten. Olaf hat nicht so viel Geld, dass er seinen Wert nicht mehr schätzen würde, er hat aber genug, um seine Freunde mal auf ein Bier einzuladen. Er trinkt nie so viel, dass es mit ihm unangenehm werden könnte, aber genug, um ein Partykracher zu sein.
An der Hochschule ist Olaf der, zu dem alle aufblicken. Aber er blickt nicht auf die anderen herunter. Wer bei Olaf im Team ist, fühlt sich danach wie neu geboren, zumindest aber inspiriert für viele neue Projekte. Olaf stellt die Dinge auf die Beine, von Hindernissen lässt er sich nicht abhalten. Wenn es sein muss, setzt er sich über auferlegte Richtlinien hinweg, denn Richtlinien, sagt Olaf, seien im Grunde doch nur Richtwerte. Und mit seinem charmanten Lächeln überzeugt er davon sogar den griesgrämigen Hausmeister. Die Professoren sagen, Olaf sei ihr bester Student, die Pförtner gehen am Wochenende einen mit Olaf trinken, die Sekretärinnen sagen, Olaf sei ein aufmerksamer junger Mann, die Leute, die schon mit Olaf gedreht haben, sagen, er sei ihr bester Freund und gleichzeitig ein Vorbild. Olafs Filme begeistern Festivals weltweit, Schauspieler finden, Olaf fühle sich in ihre Figuren ein, wie kein anderer, die Animationsstudenten loben Olafs Kreativität und Ausdauer. Im Grunde könnte Olaf alle Arbeitsschritte alleine erledigen, aber er sagt, er arbeitet lieber im Team. Er sagt, er könnte dadurch von den anderen lernen, aber eigentlich lernen nur alle von ihm.
Selbst nach einem 18-Stunden-Drehtag ist Olaf einmal noch bei seiner Oma vorbei gefahren, hat ihr persönlich zum Geburtstag gratuliert und war trotzdem am nächsten Morgen wieder pünktlich am Set. Ja, bei Jung und Alt, Mann und Frau ist Olaf gleichermaßen beliebt. Olaf vereint in sich die Tugend eines Ritters, die Kreativität eines Scherenschnittkünstlers und den Sanftmut einer weißen Stute.
Unsere Drehbuchprofs erzählen uns andauernd von Olaf, ihrem besten Studenten, aber so langsam kommen wir auf den Trichter, dass Olaf nur ein postmodernes Konstrukt ist, um uns anzuspornen. Denn keiner von uns ist Olaf bisher begegnet.

Freitag, 19. November 2010

Theater für Filmfans

So, jetzt mal eine kulturelle Empfehlung. "Fräulein Julie" ist das beste Theaterstück für Leute, die Theater doof finden, weil es nicht so wie Film ist. Denn auf der Bühne wird ein Film gedreht. Und den kann man sich zeitgleich auf der Leinwand anschauen. Schön ist, dass insgesamt genauso viele Kameramänner wie Schauspieler auf der Bühne rumlaufen und das in Turnschuhen und Kapuzenpullis, so wie man Kameramänner halt kennt und dass die Schauspieler selbst das Licht rumrücken, um ein Detail, das dazwischengeschnitten wird, auszuleuchten. In der Sprecherkabine werden Strindbergs Texte rezitiert, eine Cellistin spielt die Filmmusik und 2 Geräuschemacher lassen das Wasser plätschern, das Rinderherz brutzeln und Fräulein Julie durch das Haus schleichen.
Ich liebe ja ganz klischeehaft Cello. Als ich letztens einem unserer Filmmusiker erzählte, dass ich meine Kinder dazu verdonnern werde, Cello zu spielen, riet der mir allerdings davon ab. Zumindest wenn ich wollen würde, dass meine Kinder damit berühmt werden, denn Cello sei das schwierigste Instrument, um in ein Orchester reinzukommen. Logisch, meistens sitzen da 20 Violinen und nur drei Cellisten. Klar will ich, dass meine Kinder mal berühmt werden! Also werde ich noch mal drüber nachdenken.
Wer jedenfalls das wunderschöne "Fräulein Julie" in einer Inszenierung von Katie Mitchell in der Schaubühne genießen will, hat noch diese Termine zur Auswahl:
16.12.2010, 20.00 Uhr
17.12.2010, 19.30 Uhr
18.12.2010, 19.30 Uhr
19.12.2010, 20.00 Uhr
01.01.2011, 20.00 Uhr
02.01.2011, 18.30 Uhr
Es lohnt sich!

Dienstag, 16. November 2010

Typologie Teil I: Die Regisseurinnen und Regisseure - Die Herzstücke

"Eine Besonderheit an der HFF ist, dass die Regisseure hier das Herzstück der Hochschule sind." Hä? dachte ich, als ich diesen Satz hörte, auch wenn ich nicht mehr weiß, in welchem Zusammenhang. An welcher Hochschule sind denn bitte die Regisseure nicht das Herzstück der Hochschule? Naja, egal.
Klar, sind die Regisseure das Herzstück und das wissen die auch und das haben die auch verdient. Schließlich haben sie ja auch einen fünftägigen Bewerbungsmarathon inklusive Stimmungsmalen hinter sich gebracht. Und sie hatten die meisten Konkurrenten. Am Ende wurden 10 ausgewählt und, juhuu, davon sind 6 Frauen.
Ohne die Regisseure kann hier kaum was zum Laufen gebracht werden, denn die Regie hat die Kohle. Während ich als Drehbuch-SHK sogar unsere Kopien heimlich auf den Code von Regie und Kamera machen soll, werden den Regisseuren schon die Zettel mit den Budgets für ihre Filmprojekte ausgeteilt und die freuen sich. Eigentlich ist es gar nicht mal sooo viel, aber dafür, dass sie vorher natürlich immer gar nix hatten, außer das eigene Geld vom Konto ist es natürlich sehr nett.
Die Regie-Studenten sind aufgeschlossen und bringen Schwung in die Bude. Auf den Partys erscheinen sie zahlreich und sind auch meist die letzten, die gehen. Und stolz darauf. Es gibt die These, dass die Regisseure wie eine Band zusammengestellt wurden, für jeden Geschmack was dabei. Eine große Spannbreite an Filmen ist zumindest garantiert. Die Regisseure können ihre Ideen aus dem Bauch heraus charmant rüberbringen und sie wurden in der Prüfung darauf hin getestet, dass ihnen nichts peinlich ist: Sie sollten ohne Musik vortanzen. Jeden Morgen haben die Regie-Studenten die Auswahl zwischen Yoga und Ballett. Aber sie gehen nie hin. Verständlich, sie haben momentan nämlich überhaupt keine Zeit und werden wahrscheinlich auch keine mehr haben. Bei uns sind die Regie-Studenten sehr interessiert an den anderen Studiengängen. Sie kommen auch immer zu den Vorführungen der anderen. Aber auch wir anderen laufen den Regie-Leuten schon ein bisschen hinterher. Schließlich wollen wir ja bei ihren Filmen mitmachen.











So sehen die Regisseure aus.

Dienstag, 9. November 2010

Tag der Offenen Tür an der HFF!

Hallo, am Samstag, den 13. 11. ist in Potsdam Tag der Offenen Tür! Wer also mit den Profs Kaffee trinken, sich mit den Mitbewerbern in den Filmguck-Eiern näher kommen, auf dem Übergang im 4. Stock Höhenangst kurieren, im Biotop Unkraut jäten, sich in der Filmriss-Caféteria den Arsch abfrieren, in den Kinosesseln schlafen oder einem der Studenten einfach mal mitteilen will, dass er sich "auch bald mal bewerben" will, der ist da genau richtig!
Das vernünftige Programm findet man übrigens hier:
http://www.hff-potsdam.de/fileadmin/hff/dokumente/Downloads/Programm_A4_OFF_2010a.pdf
Ich kann leider nicht sagen, ob es sich lohnt, weil ich noch nie da war. Gerüchten zum Trotz habe ich bisher auch noch von niemanden gehört, der nur angenommen wurde, weil er sich am Tag der Offenen Tür ohne Ende eingeschleimt hat. Aber schaden kann das Einschleimen wahrscheinlich nicht und wenn einem langweilig ist, kann man ja einfach nebenan in den Filmpark Babelsberg gehen und sich da die Action-Stunt-Show angucken!

Sonntag, 7. November 2010

Schickt eure Filme zu Sehsüchte!

Dauerwerbesendung
Eine verlassene Hütte im Wald, kein Internet, kein Handynetz, trotzdem hat uns kein Serienkiller aufgeschlitzt. Beim Sehsüchte-Kennenlern-Wochenende bei Eberswalde, 40 Kilometer von Berlin Mitte in der brandenburgischen Pampa versteckt, konnten wir demnach ungestört arbeiten (nur auf der Rückfahrt begegnete uns ein schlafender Autofahrer auf der Kreuzung). Naja, eigentlich bestand das Programm vor allem aus Kuchen essen und Party machen mit - für meine Thefife-Freunde - Lothar Mikos. Aber es ist ja auch noch kein einziger Film bei Sehsüchte eingegangen und deshalb hatte zumindest die Programmgruppe, in der ich bin, noch nicht so viel zu tun... Wenn ihr also Aufsehen erregen wollt, reicht jetzt ein!
Sehsüchte 2011 wird super, das ist zumindest schon mal sicher und das nicht nur, weil ich jetzt auch mitmache. Sehsüchte wird nämlich 40 Jahre alt und deswegen gibt es tolle Jubiläums-Specials und eine Ausstellung, außerdem gibt es ein tolles Rahmenprogramm mit tollen Partys, einen Fokus über die Türkei und natürlich die normalen Festivalfilme, aus denen wir in Tag- und Nachtarbeit in den nächsten Monaten ein Programm basteln dürfen.
Kommt doch vom 02. bis 08. Mai nach Potsdam zu Sehsüchte. Oder kommt mit euren Filmen, ich interviewe euch dann auf Englisch.
Alles Offizielle findet ihr hier: http://2011.sehsuechte.de/













Ich freu mich! Endlich kann ich wertvolle Erfahrungen für die Nadinale sammeln!

Freitag, 5. November 2010

Moabit, Alter!



















Da, wo ich wohne, sind Moabit und Charlottenburg nur durch eine kleine Brücke über die Spree voneinander getrennt. Woran man aber trotzdem ganz leicht merkt, dass man in Moabit ist und nicht in Charlottenburg:
- Döner und sogar halbes Hähnchen kosten 1,99 Euro
- Selbst im Kaiser's steht man am Flaschenautomaten 10 Minuten an
- Die DKMS-Werbung für Knochenmarksspende ist auf Türkisch (glaube ich)

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Filmhochschule, du bist so wunderbar, Filmhochschule!

Na endlich, da is sie doch, die Anfangseuphorie, von der uns die Dozenten bei der Begrüßung erzählt haben, während im Hintergrund riesengroß jeder einzelne unserer Namen auf die Leinwand gebeamt wurde.
Beim Thema Begeisterung bin ich ja meistens etwas langsamer, aber seit drei Tagen finde ich nur noch alles toll. Leute: toll. Unterricht: toll. Lehrer: toll. Gebäude: toll. Sogar das Essen in der Caféteria: toll.
Und weil man nicht so viel labern soll, wenn man gute Laune hat, weil das langweilig ist, hier noch ein kleiner Link zum Making Of vom ersten Projekt hier. (Juchu, ich war in der Gruppe, die einen Science Fiction Film gemacht hat!)
http://vimeo.com/16214828
Wer mich im Film entdeckt, kriegt ein Eis.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Film schreiben/ v. lit.Schr.Z.Filmschr.?

Juchu, FilmhochSCHULE! Ich bekomme also einen Stundenplan. Das erste Semester wird also besser als mein erstes Semester in Köln, wo ich aus Versehen 8 SWS Sprachwissenschaft in Germanistik belegt habe, weil ich die Literaturwissenschaftsveranstaltungen nicht gefunden habe. Und wo ich mir in Philosophie nur irgendwelche Gibt es Gott? und Werden wir alle sterben?-Seminare ausgesucht habe, die meinen damaligen Depressionen alles andere als zuträglich waren. Und wo ich am Ende des Semesters schon sämtliche Klausuren des Grundstudiums geschrieben habe, weil ich nicht wusste, dass man die auch noch später schreiben kann.
Als Freigeist und Lehramtsstudenten-naja-finderin (außer Jana) werde ich natürlich immer etwas gegen Stundenpläne einzuwenden haben, aber hier bekommt jeder einen individuellen Stundenplan, daher geht es. Montags habe ich Filmgeschichte, was schlimm ist, da ich gestern Lumière und Méliès gucken musste. Schon wieder. Dienstag ist Historische Dramaturgie und Filmästhetik, da muss ich nicht hin. Das konnte ich mir anrechnen lassen. Wegen meiner unermüdlich verfassten David-Lynch-Hausarbeiten in beinahe jedem Thefife-Seminar, meines Besuchs von David Lynchs Sektennachmittag, wegen der Aristoteles-Veranstaltung bei dem Professor mit den drei Fingern, die dann doch nicht stattfand, weil er Schweinegrippe hatte und vieler weiterer Kuriositäten aus meiner Vergangenheit.
Am Mittwoch habe ich dann "Film schreiben/v. lit. Schr. Z. Filmschr." So steht es auf dem Zettel. Weiß nicht, was das ist, klingt aber nach Schreiben, daher gut. Und am Donnerstag ist Film schreiben. Allerdings nur alle zwei Wochen. Ein schönes langes Wochenende zum Film schreiben und lit. Schr. Z. Filmschr. hat man dadurch also. Allerdings hab ich auch noch alle zwei Wochen freitags Genre schreiben, weil ich ja weniger Theorie besuchen darf. Und Extraaufgaben: Schreiben. Und die F1 vorbereiten, das ist ein Dokumentarfilm, bei dem wir selbst Regie führen, wie ich heute erfahren hab.
Es ist daher wirklich sehr gut, dass Melitta und Josa mir ein so großes Ideenglas geschenkt haben! Da ich heute bei der Entwicklung meines ersten Stoffs schon verzweifelt war, habe ich eine Idee aufgemacht. "Rudern für den guten Zweck" stand da. Leider war in der Geschichte kein Gewässer in der Nähe, aber "für den guten Zweck" war schon mal gar nicht so schlecht. Sorge 1, ich werde nicht genug Ideen haben, kann ich also abwenden. Für Sorge 2, ich werde voll fett, nur meine Finger bleiben dünn, habe ich währenddessen noch keine akzeptable Lösung gefunden. Es sei denn, es bestünde die Freigeist-Möglichkeit, auch an den Seminaren der anderen Studiengänge teilzunehmen. Dann könnte ich nämlich jeden Morgen mit den Regisseuren und Schauspielern Yoga machen!
Auf vielfachen Wunsch: Explizit und in besonderem Maße vermisse ich Adrian Wolf - treuer Freund, stolzer Filmproduktionsfirmenteilhaber und einziger offizieller Abonnent dieses Blogs.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Das verflixte erste halbe Jahr

Das erste halbe Jahr ist immer doof. Das erste halbe Jahr auf der Erde verbringt man mit Schreien, Heulen und dem Konsum viel zu süßer Milch. Das erste halbe Jahr im Kindergarten weint man, weil man zu seiner Mama will. Im ersten halben Jahr in der Schule langweilt man sich, weil die anderen Kinder die Buchstaben so langsam lernen. Im ersten halben Jahr in einer Beziehung weiß man nie, wie oft man den anderen anrufen darf, wie man sich jetzt noch den passenden Slip zum BH organisieren soll, den man schon vor zwei Jahren gekauft hat und ob das alles überhaupt eine so gute Idee war. Das erste halbe Jahr in der ersten eigenen Wohnung verbringt man damit, sich über teure Lebensmittelpreise und teure Mieten zu ärgern und über das Waschen und Putzen und darüber, dass man nicht mal mehr eine Geschirrspülmaschine hat. Im ersten halben Jahr an der Uni läuft man verwirrt durch die Gegend und versteht nicht, worum es in den Seminaren überhaupt geht. Und im ersten halben Jahr in einer neuen Stadt hat man keine Freunde. Als Schriftsteller hat man es eigentlich gut, wenn man keine Freunde hat, denn das, so heißt es, wirft einen zurück auf die eigene Kreativität. Und außerdem, das weiß doch jeder, hat jeder in Berlin Freunde.
Ich hab auch Freunde in Berlin, zum Glück. "Aber buhuuu, nicht so viele wie in Köln!" Und eine der Hauptaufgaben in einer neuen Stadt besteht darin, sein Sozialleben, das sich in der alten Stadt inzwischen gemütlich eingependelt hatte, sinnvoll neu zu strukturieren. Es ist nicht so einfach wie bei den Sims. Man bekommt nicht umso mehr Freunde, je öfter man einer Person Komplimente macht. Eher umso weniger. Mit wem kann man einfach so abhängen, weil man genug Gesprächsstoff für mindestens vier Stunden hat? Wen zum Kochen einladen, ohne dass man ein veganes Kochbuch anschaffen muss? Wer hat einen guten Filmgeschmack? Und wessen Zimmer ist groß genug, dass man nach dem Partymachen dort übernachten kann?
Nunja, ich will nicht jammern, auch wenn ich ein paar Pappenheimer hier sehr vermisse. Verflixte erste halbe Jahre haben ja auch ihre gute Seiten: Schnullis, Puppenecke, Schultüte, Verknalltsein, Freiheit, Ersti-Partys, alte neue und neue neue Freunde

Sonntag, 10. Oktober 2010

1 Woche Filmhochschule

Und ich bin ein neuer Mensch! Nein, nicht wirklich. Ich bin immer noch die Alte. Sagt mein Agent. Alles andere, wie beispielsweise ein Image-Wechsel, sagt er, würde nur dazu führen, dass ich alte Fans enttäuschte, vielleicht sogar verlöre.
Bisher hat sich nichts geändert, bis auf dass ich jetzt einen eigenen Drucker habe, weil ich nicht mehr bei Sebi ausdrucken kann, und zwar einen viel zu teuren, den ich mir unbedarft im Media Markt aufschwatzen lassen habe. Und dass ich jetzt einen neuen Job habe als SHK, wo ich zwar bisher auch wieder nichts zu tun habe, aber wo ich deshalb auch nicht hin muss. Dafür werde ich gut bezahlt. Und dann habe ich auch eine Mentorin jetzt, eine Professorin, die mich zum Abendessen eingeladen hat, um sich um meinen Stundenplan zu kümmern. Leider gibt es Schwierigkeiten mit dem Anrechnen, da ich noch ein Formular aus Köln bräuchte. In Köln wird man zwar nicht zum Abendessen eingeladen, ein Formular wird einem aber auch nicht zugeschickt.
Einen Film hab ich noch nicht gedreht, aber nächste Woche drehen wir einen. Und wider jegliche Vorsätze meinerseits wird es ein "Kunstscheiß"-Film, denn in meiner Gruppe sind zu viele Künstler. Außerdem sind alle außer der Kamerafrau und mir davon überzeugt, dass wir einen Nachtdreh machen sollten und den mit Taschenlampen ausleuchten. Aber das macht nichts, der Film dient ja dem Kennenlernen.
Und schon in dieser ersten Woche wächst meine Bewunderung für meine lieben TheFiFeler - für Martn, Johannes, Adib, Sebi und so weiter - und dafür, was wir alleine auf die Beine gestellt haben, denn hier gibt es sicher andere und neue Probleme, aber ein großer Sack mit Steinen, den ihr die ganze Zeit auf dem Rücken tragt, der würde euch hier abgenommen werden. Hier darf man sich darauf konzentrieren, was im Bild geschieht. Ich freue mich!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Bitte keine Fotos im besten Club der Welt


In den besten Club der Welt kommt man nur über Umwege. Umso besser, denn vor drei sollte man dort ohnehin nicht auftauchen. Deshalb ist es auch gut, dass Irena noch 30 Mal das Outfit wechselt und ich einen melancholischen Durchhänger habe. Nachdem wir genügend Wein getrunken haben, loben wir uns gegenseitig über den grünen Klee. Eine U-Bahn-Fahrt durch die halbe Stadt, eine WG-Party und einige Sternburg Export für 70 Cent beim Kiosk später haben wir es doch tatsächlich geschafft, um 5 Uhr am Berghain aufzulaufen. Einerseits darf man nicht als Gruppe ankommen, andererseits kommen die Jungs ohne uns bestimmt auch nicht rein. Außer Peter vielleicht, der hat ein Tattoo.
Aber der härteste Türsteher Deutschlands winkt uns zum Nebeneingang. "Wie alt sind denn die Mädels?" Na also, da haben wir unsere faltenfreie Babypopohaut ja vorher nicht umsonst gelobt! Dann wird alles durchsucht. Den Nacktscanner haben die da schon längst installiert. Sie recherchieren sogar in der Kaugummidose nach Ecstasypillen und zwischen den Essensmarken nach Koks. Am Ende dürfen wir rein. Eine Panoramabar, drei Floors und zwei Darkrooms wurden uns versprochen. Gefunden haben wir die aber nicht, waren hinter den Männern mit nackten Oberkörpern versteckt oder es lag an der Orientierungslosigkeit von uns Landeiern. Die Musik hat mich ein bisschen an die Rhythmustaste an meinem Keyboard erinnert. Anderthalb Stunden später: Wir finden die Jungs Cola und Wasser trinkend an der Bar -das Bier war auch teuer- und sagen denen: "Wir gehen dann mal."
Wir fahren die ganze Strecke auf der Hochbahn durch Berlin. Es ist Sonntag, halb 8, Berlin schläft noch und ist dabei wunderschön, will uns wohl für die 14 € Eintritt entschädigen. Irena, die sich an diesem Wochenende dadurch auszeichnet, auch Berlin ständig über den grünen Klee zu loben, erinnert die Atmosphäre an Gotham City. Als wir daheim angekommen sind, klärt sich auch die Frage, was eigentlich mit dem Berghain los war. "Das Berghain musste 2010 seinen Titel als bester Club der Welt an das Sankeys in Manchester abgeben", lese ich aus dem Prinz vor. "Achso", sagt Irena und überlegt wahrscheinlich schon, ob es sich lohnt, da mal feiern zu gehen. "Also dann, gute Nacht." "Gute Nacht."

Dienstag, 28. September 2010

Aller Anfang...


Aufstehen, Vorhänge auf, der Sonne ins Gesicht lachen, ein süßes Stückle vom günstigen Bäcker in Moabit, ein dampfender Cappuchino mit Zimt und dann bei guter Musi mein Hab und Gut einsortieren - Ein solcher Start ins neue Leben war mir heute nicht vergönnt. Nachdem der Typ von der Mitfahrgelegenheit nicht mehr an sein Handy gegangen war, fuhr ich spontan erst nachts nach Berlin. Das hatte zumindest den Vorteil, dass ich den Fahrer kennen lernte, der übrigens ein Bekannter von unserem sehr verehrten "Florian Henckel Donnersleben" ist und übrigens auch der Gründer von http://betahaus.de/ ist, guckt euch das mal an, das gibts bald auch in Köln. So Werbung Ende, worauf ich nämlich eigentlich hinaus wollte, war, dass ich mitten in der Nacht angekommen mich völlig übermüdet rausquälte, keine Vorhänge öffnete, weil ich noch keine habe und außerdem regnete es. Natürlich. Dennoch hätte der Tag noch die Chance gehabt, zumindest ein durchschnittlicher zu werden. Doch diese Chance verschwand schwuppdiwupp, indem ich mich entschied, vor dem Frühstück holen, meine Wäsche in die Waschmaschine zu schmeißen. Ich hatte da gleich so ein merkwürdiges Gefühl... Irgendwie drehte sich diese Trommel gar nicht. Ich wusste auch nicht, warum die Scheibe beschlagen war, aber egal. Dreh ich den Wasserhahn halt noch weiter auf. Und so kam es, dass auf einmal Wasser aus dem Waschmittelfach rausspritzte. Upsi. Wasserhahn schnell zu, Waschmaschine schnell aus. Aber irgendwie ging jetzt die Tür nicht mehr auf. Egal, ich zog so fest ich konnte, die Tür ging auf und ich stand bis zu den Knöcheln in einer überfluteten Küche. Gar nicht mal so schlecht als Schaumparty zur Einweihung, ansonsten aber ziemlich blöd. So verbrachte ich halt meinen ersten Tag in Berlin damit, unsere Küche auszuwringen (ich habe nicht geheult!). Das entscheidende Problem war gewesen, dass zwar der Schlauch angeschlossen war, durch den das Wasser reinkommt, aber nicht der, durch den es wieder rausgeht. Als ich nach 3 Stunden endlich fertig war, war es auch schon Zeit für mein Vorstellungsgespräch bei der Professorin in Potsdam. Von da an wurde der Tag dann auch besser. Gut, schlimmer ging es natürlich auch nicht mehr. Und so sitze ich jetzt immer noch zwischen den Kisten in meinem Zimmer, hatte aber immerhin noch Glück im Unglück: Ich hab auch nachmittags noch ein Vanille-Croissant beim Bäcker bekommen, unter unserer Küche ist keine andere Wohnung, nur der Keller und: wenigstens muss ich diese Woche nicht mehr Boden wischen.

Donnerstag, 5. August 2010

WG-Castings

Ich hasse WG-Castings. Schon bei der WG-Suche in Köln konnte ich immer wieder durch einen unfassbar unsympathischen ersten Eindruck überzeugen. Das Gefühl ist schrecklich, wenn man sich selbst dabei zuhört, wie man einen unglaublich langen Satz vollenden muss, bei dem man schon vom zweiten Wort an erkannt hat, wie arrogant er klingt. Ein anderer Fehler war dann auch oft, dass ich, um ebendiese Antipathie zu vermeiden, wiederum zu nett wurde. "Magst du nen Kaffee..." "Ja klar, ich liebe Kaffee" "...oder nen Tee?" "Ohja, Tee Tee Tee, Tee ist auch wundervoll. Ich liebe Kaffee und Tee wirklich gleichermaßen." Ich machte echt schon unserem Bundespräsidenten Konkurrenz in meinem Enthusiasmus für alles und jeden, dabei find ich Tee wirklich blöd. Einzig in den WGs, in die ich garantiert nie im Leben einziehen wollte, da war ich auf einmal beliebt. Wahrscheinlich weil ich mich da in meinem Desinteresse wenigstens halbwegs normal benommen habe.
Letzten Endes habe ich ja irgendwie doch noch eine coole WG in Köln gefunden und deshalb fuhr ich ein wenig beruhigter nach Berlin und nahm mir fest vor, die Sache diesmal ein bisschen lockerer anzugehen. Die WGs sind hier fast alle ziemlich cool. Die Zimmer sind groß und natürlich auch hoch, viele haben neben großen Küchen auch noch große Wohnzimmer am Start und in manchen Häusern kam ich mir vor den riesen Haustüren, die man mit dem ganzen Gewicht aufschieben muss, und den pompösen Stuckverzierungen am besten noch mit Kronleuchtern echt schon ein bisschen lächerlich vor. Von den Leuten her ist es natürlich wieder mal ziemlich durchmischt. Während ein Mitbewohner einen zu einem leckeren Abendessen bei Kerzenschein einlädt, kommt der Mitbewohner in der anderen WG nicht mal aus seinem Zimmer, weil er Starcraft 2 zocken muss. In einer dritten Wohnung werde ich auf einmal in den Keller geführt und kurz bevor ich "Hilfe, Vergewaltigung!" rufe, stellt mir der Mitbewohner seine "nette Souterrain-Wohnung" vor. Bad und Küche haben natürlich kein Tageslicht, im Flur brennt ununterbrochen Licht. Zumindest mein Zimmer hat eine kleine Luke, durch die um genau 9:17 wahrscheinlich drei Sonnenstrahlen durchbrechen.
Letzten Endes habe ich aber dann doch noch eine coole WG in Berlin gefunden. Und diesmal ging es sogar 5 Wochen schneller als beim letzten Mal (in Berlin bin ich 5 Wochen beliebter als in Köln!). Und wiedermal hat sich die Regel bestätigt: Die WG, die du am nettesten findest, findet dich auch am nettesten. Und außerdem: Zieh immer in die WG ein, in der dir kein Leitungswasser, sondern ein Bier angeboten wird.

Dienstag, 3. August 2010

Schöneberg oder Moabit

Von den vielen kleinen Spielplätzen, die rund um das Viertel angelegt wurden, tönt Kindergeschrei. Die Kinder heißen hier "Elsa" und "Vincent" und haben eine große Zukunft vor sich. Ihre Eltern sind Anfang 30, Akademiker, hip gekleidet. In der Parallelstraße der Straße, wo sich meine zu besichtigende WG befindet, gibt es übrigens eine Kinder-Castingfirma. Aber das wissen ihre Eltern wahrscheinlich schon, wahrscheinlich haben sie Elsa und Vincent da schon längst angemeldet, es sei denn, sie sind Ökos, was bei einigen auch gut sein kann. Hinter den Fenstern im Erdgeschoss sieht man Leute an ihren Laptops arbeiten. Ein paar Bauarbeiter laufen mit muskulösen nackten Oberkörpern herum. Neben dem Park befindet sich ein noch größerer Park. Am Sportplatz spielen Jugendliche Volleyball. Außerdem ist da noch eine riesige Achterbahn, die, wie mir später der Mitbewohner in der WG erklären wird, keine Achterbahn, sondern der Schöneberger Gasometer ist. Die WG hat eine riesige Küche. Und ein Wohnzimmer. Mannomannomann.

Im Park an der Turmstraße lungern ein paar Leute rum, ein alter Mann schaut mich komisch an. Hier gibt es unfassbar viele Döner- und Falafelbuden, persische, vietnamesische, thailändische Küche. Die älteren Semester hängen hier scheinbar bei den Bäckereien ab. Snackback hat mehrere Tische auf die Straße gestellt, die komplett gefüllt sind mit alten Männern, die Kaffee schlürfen und Karten spielen. Irgendwie gibt es hier unfassbar viele Friseure. Wer braucht denn zum Kuckuck so viele Friseure? Viele Läden stehen leer und die Kinder auf der Straße beschimpfen sich als Opfer. Ich esse ein Tiramisu, das halb aufgewärmt, halb gefroren ist. Das eingeschlagene Ladenfenster eines Antiquitätenhandels ist so zugeklebt, dass man die Auslage gar nicht mehr sieht. In der WG bekomme ich ein Bier angeboten. Ich fühle mich wohl.

Als ich von Schöneberg Richtung Charlottenburg radele, komme ich am Straßenstrich vorbei.
Als ich von Moabit Richtung Charlottenburg radele, fahre ich über die Spree, wo gerade die Sonne untergeht.

Montag, 2. August 2010

Nicht noch ein Berlin-Blog


"Manchmal denkt man, über Berlin sei alles gesagt, aber dann - Berlin, Berlin, du bist so wuuunderbarr Berlin Berlin Berlin... Blablabla!" Ich hab keinen solch tollen Grund, jetzt als Letzte der Letzten auch noch anzukommen und über Berlinberlin zu schreiben. Das Bemerkenswerteste, was es über den Zusammenhang zwischen mir und Berlin zu sagen gibt, ist, dass sich mein Name auf Berlin reimt. Zumindest fallen mir gerade keine anderen sinnvollen Namen ein, bei denen dies ebenfalls der Fall wäre (Antrin, Jacqueline).
Ja, ich habe keinen Grund. Na und? Wenigstens hab ich eine Lösung: Hört einfach auf, die ganzen anderen Berlin-Blogs zu lesen, dann könnt ihr den Gedanken "Nicht noch ein Berlin-Blog" nämlich verbannen. Versprechen kann ich nix, außer vielleicht, dass bestimmt wieder mal alles anders wird als ich dachte. Ich werde bestimmt nicht auf den Dächern Berlins tanzen, mir kein Tattoo stechen lassen und auch nicht Stipe Ergec am Prenzlberg treffen. Denn irgendwie ist ja trotzdem alles wie immer, auch wenn man jetzt in Berlin ist.